Wetter, Wirtschaft und Sorbas’ Geist

Wetterkapriolen gehören, nicht erst seit dem Klimawandel, zum griechischen Herbst und damit zur Oliven-Erntezeit. Aber dennoch haben wir das Gefühl, dass die Heftigkeit dieser an und für sich normalen Erscheinungen in den letzten Jahren zugenommen hat. Während wir üblicherweise unter lang anhaltender Trockenheit leiden, die sich von April bis zum Winter erstrecken kann, machten uns im vergangenen Herbst sintflutartige Regenfälle zu schaffen, die Keller überfluteten, Mauern einrissen und ganze Strassenstücke wegspülten. Aus Wegen wurden reissende Bäche. Ganze Olivenhaine standen unter Wasser. Und einmal spülten die Fluten gar schwer gefüllte Olivensäcke wie Treibholz ins Meer. Aber ebenso schnell, wie die Unwetter kamen, verzogen sie sich wieder. Der Himmel hellte auf, die Sonne silberte in den Olivenzweigen und die Oliven warteten – prall und kerngesund – auf schonend erntende Hände.

Der Himmel verdunkelte sich dann allerdings wieder – im übertragenen Sinne – aus wirtschaftlicher Sicht. Griechenland schlitterte in eine sehr ernsthafte Finanzkrise, die über alle Grenzen hinaus von sich reden machte und wahrscheinlich noch lange in den Medien präsent sein dürfte. Wir, in Südlakonien, erleben die Krise nur am Rande. Hier gehen die Leute ihrer Arbeit nach. Sie hatten mit der Olivenernte alle Hände voll zu tun. Und der Rest ist das ganz normale Leben mit der Familie, mit Freunden und Bekannten. Man weiss, dass man den Gürtel enger schnallen muss, dass alle dazu beitragen müssen, um in der Krise zu bestehen. Die Streiks, die man im Fernsehen verfolgen konnte, finden hier nicht satt. Athen ist weit weg. Man hat gelernt, mit Unvermeidlichem zu leben, gelassen und mit Blick auf das, was noch immer gut und lebenswert ist. Und das ist eine ganze Menge!

Vor unserem geistigen Auge sehen wir Alexis Sorbas tanzen. Wir hören sein Lachen. Gerade dann, wenn alles schief zu gehen scheint. Sorbas lebt auch hier in Lakonien, in „Jefira-Land“ – das zeigt sich gerade jetzt, wo alle von der Krise reden.

Lassen Sie sich nicht beirren, denn die teils beunruhigenden Bilder, die Sie in jüngster Zeit vielleicht im Fernseher gesehen haben, die erschreckenden Beiträge, die man in Zeitungen und Illustrierten lesen konnte, sind nur eine Seite der Medaille...
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